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Tim Dowling:

Ich hab nix gemacht

Roman 368 Seiten,

9,95 € (D),

Fischer Taschenbuch Verlage

ISBN: 978-3-596-17902-2

Erschienen im August 2009


Wer sich in der Midlife-Crisis selber googelt ...
Was wollen die Leute nur alle von Giles? Und warum muss Leben so stressig sein? Soll er jetzt erst was arbeiten oder den Geschirrspüler reparieren? Mit dem Hund raus? Dabei hat Giles doch Gicht ... also, wahrscheinlich. Sollte er sich vielleicht besser dafür entschuldigen, dass er überhaupt auf der Welt ist? Och nö, denkt Giles, läuft schon alles irgendwie. Aber dann entdeckt er im Internet eine böse Überraschung.

»Ich hab nix gemacht« ist der schwärzeste Roman über Männer jenseits der Dreißig, über letzte Jugendsünden, erste Zipperlein und den Spaß am Zweckoptimismus.
Für Leser von Nick Hornby!

Ein Mann in der „Mitleids-Crisis“

*****
In seinen eigentlich besten Jahren – Giles beginnt zu begreifen, wie es ist 40 zu werden – fängt alles an. Eigentlich geht es ihm ja gut, er hat einen guten Job als freiberuflicher Journalist, eine Frau, die ihn liebt, zwei tolle Kinder, einen Hund, eine Katze und Schmerzen im Fuß! Was soll das? Eine Ärztin diagnostiziert aufgrund der Beschwerden die Gicht…. Und das ist noch längst nicht alles, die Mikrowelle geht kaputt, beim „googeln“ des eigenen Namens findet er ein Forum mit Menschen, die ihn hassen! Ganz egal was er macht, er kann es niemanden recht machen. Kein Wunder, dass der Titel von Tim Dowlings Debüt „Ich hab nix gemacht“ heißt.

Tim Dowling hat seinen ersten Roman verfasst und reiht sich damit in die Riege der „emanzipierten“ Männerromanautoren ein, was für uns Leser in Deutschland bereits seit Tommy Jauds „Vollidiot“, Oliver Uschmanns „Hartmut-Reihe“ und Matthias Sachaus „Kaltduscher“ gang und gäbe ist, hat jetzt auch internationale Autoren auf den Plan gebracht (hier einen in London lebenden Mann amerikanischer Abstammung). Männer berichten über ihre ganz normalen alltäglichen Sorgen. Ja, auch das ist Emanzipation, was bisher nur für uns Frauen möglich war, darüber dürfen jetzt auch Männer schreiben und lesen!

Potential und Humor hat die Geschichte jedenfalls. Vielleicht lag es an der Übersetzung oder am britischen Humor, dass mir dies Buch nicht ganz so gut gefiel, wie das seiner teutonischen Vorreiter (die Originalausgabe erschien 2007). Die Idee und die Aufbereitung des Themas waren gut, die Geschichte klar. Aber… das Jammern überstrahlte – ähnlich wie Giles Schmerzen – irgendwann den Lesegenuss. Mag sein, dass ich als Frau das nicht verstehe, aber irgendwann war alles zuviel, eigentlich war alles gesagt, da bohrt er noch weiter im Internet-Thread, hat einen alkohol- und pillenbedingten Blackout zuviel, treibt das Jammern noch mal auf die Spitze. Ein wenig Kürzen hätte dem Buch nicht geschadet. Einer seiner Zeitungsartikel weniger (ich gebe zu, auch John Irving schreibt Geschichten in der Geschichte, und da gefällt es mir), ein, zwei Forenbeiträge weniger, all das hätte der Geschichte geholfen, weiterhin so witzig, spritzig zu bleiben, wie sie am Anfang war…

Aber ich will niemanden davon abhalten, sich selbst zu entwickeln, weil, Schmunzeln konnte ich schon, nur lauthals Lachen, das war nix…

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